Interview: Instandhaltung: Motor für die Zukunft!

Interview mit Dipl.-Ing. Dr. Andreas Dankl, Instandhaltungsexperte

Instandhaltung ist ein spannendes Arbeitsfeld für engagierte Techniker, innovativer Wertschöpfungspartner für Produktion und Entwicklung und ein zentraler Baustein der ‚Smart Factory‘. Die INSTANDHALTUNGSTAGE 2016 von 12. bis 14. April 2016 in Salzburg stehen deshalb unter dem Motto Instandhaltung. Innovation. Wertschöpfung.

Im Vorfeld haben wir Initiator und Instandhaltungsexperten Andreas Dankl um ein kurzes Interview gebeten.

I: Sie werden im Rahmen der INSTANDHALTUNGSTAGE 2016 gemeinsam mit Jutta Isopp (Messfeld) und Georg Güntner (Salzburg Research) einen Vortrag zum Thema ‚Innovation in der Instandhaltung als Motor für die Zukunft.‘ halten. Können Sie für unsere LeserInnen kurz umreißen, weshalb Sie die Instandhaltung als ‚Motor für die Zukunft‘ sehen?
Dankl: Instandhaltung kann und wird sich in den kommenden Jahren entscheidend verändern – weg vom Kostenfaktor hin zu einer zentralen Schnittstelle in produzierenden Unternehmen. Getrieben durch aktuelle Entwicklungen, die ich pauschal mit dem Modewort ‚Industrie 4.0‘ umreißen möchte, rückt die Instandhaltung und ihre innerbetrieblichen Dienstleistungen vermehrt in den Fokus. Mit der richtigen, strategischen Herangehensweise kann die Instandhaltung tatsächlich ein ‚Motor für die Zukunft’ sein. Dieses Potential gilt es jetzt zu nützen!

I: Lassen Sie uns einen Ausblick wagen. Wie sehen Sie die innerbetriebliche Position der Instandhaltung in 10 Jahren?
Dankl: Erfahrungsgemäß passieren Veränderungen im Bereich der Instandhaltung langsam. Viele Organisationen sind nach wie vor ein innerbetrieblicher Hilfsbetrieb, der in Feuerwehr-Manier auf das Tagesgeschehen reagiert. Die einzigen verfügbaren Kennzahlen sind Kostenpositionen, also Ausgaben für Material, Personal und Fremdkosten, und diese sollen ständig reduziert werden.
Wir denken, hier ist mehr möglich! Wir sehen Instandhaltung in Zukunft als Kompetenzcenter für die strategische Anlagenbewirtschaftung, das Anlagenmanagement. Ein aktives, langfristig ausgerichtetes Kostenmanagement, das die Ertragssicht – denken Sie an Ausfallkosten, Lifecycle-Costs, usw – berücksichtigt und sich moderner Asset Management-Konzepte bedient, wird Motor in erfolgreichen Unternehmen.

In den kommenden Jahren wird sich hier die ‚Spreu vom Weizen‘ trennen. Entscheidend ist dabei sicher die Initiative der Instandhaltungsverantwortlichen und ihre (innerbetriebliche) Positionierung.Es wird innerbetrieblich immer wichtiger, sich, die Abteilung und ihren Einfluss auf strategische Anlagenentscheidungen intensiver zu verkaufen.

I: Was raten Sie einem Instandhaltungsverantwortlichen, der vielleicht gerade jetzt zu Jahresbeginn eine neue Instandhaltungsabteilung übernommen hat?
Dankl: Gerade zum Start empfiehlt sich eine kritische Bestandsaufnahme. Wo steht die Abteilung, die Mannschaft, der Anlagenpark? In welchem Umfeld bewegt man sich? Bei dieser ersten Bestandsaufnahme unbedingt auf eine strukturierte Vorgehensweise achten! Unter Umständen macht es Sinn, sich eine externe Sichtweise als Argumentationsunterstützung dazu zu holen. Wichtig ist, von Beginn an entsprechend der Unternehmens- und Betriebsziele Prioritäten in der Instandhaltung zu setzen, um damit auch die richtigen Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Standardisierte Tools, wie etwa der Fitness Check für die Instandhaltung, helfen, die Übersicht zu bewahren und die zentralen Verbesserungen zu identifizieren. Häufig werden unrealistisch viele Maßnahmen festgelegt. Das führt letztlich dazu, dass nach einer ersten Anfangseuphorie gar nichts mehr weitergeht. Klären was machbar und sinnvoll ist und vor allem auch die Betroffenen einbinden, das ist in dieser Situation erfolgsentscheidend. Machen Sie sich schlau und lernen Sie von den Erfahrungen der anderen. Ich habe festgestellt, dass direkter Erfahrungsaustausch mit anderen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden oder befanden, ein unheimlicher Turbo sein kann! Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Deshalb engagieren wir uns zum Beispiel auch in der MFA, dem Netzwerk für Instandhaltung. Ja und letztlich müssen Sie natürlich an die Herausforderungen der Zukunft denken – welche Erwartungen gibt es von Seiten der Unternehmensleitung? Machen Ihre Anstrengungen Sie wirklich fit für ‚Industrie 4.0‘?

I: Dankeschön für die vielen Tipps! Das klingt nach einem wahren ‚Rundumschlag‘…
Dankl: Es heißt doch immer, dass neue Besen besser kehren – das mag schon sein – aber verstehen Sie mich nicht falsch – Sie müssen nicht zur Kehrmaschine mutieren!! (lacht)
Gehen Sie systematisch vor, arbeiten Sie Verbesserungsmöglichkeiten priorisiert heraus, binden Sie das Team aktiv mit ein und setzen Sie die notwendigen Schritte konsequent und nacheinander um.

I: Herr Dankl, herzlichen Dank für das Gespräch! Wir sind schon gespannt auf Ihren Vortrag bei den INSTANDHALTUNGSTAGEN in Salzburg! Da wird es sicher die eine oder andere Nachfrage geben! www.instandhaltungstage.at