🎤 Smart Maintenance: Sind die Herausforderungen in der Instandhaltung mittels Digitalisierung zu l√∂sen? (INTERVIEW)

Das Tagesgesch√§ft in der Instandhaltung ist herausfordernd. Kosten- und im Besonderen der Zeitdruck nehmen immer weiter zu. Wie also die Instandhaltungs-Organisation durch neue ‚Äödigitale‚Äė Werkzeuge unterst√ľtzen?

Das ist die Kernfrage am Praxistag: Smart Maintenance am 09. Juli in M√ľnchen. Wir haben bei den Initiatoren Christian Jeske (Membrain GmbH, links) und Andreas Dankl (MFA, dankl+partner consulting | MCP Deutschland, rechts) genauer nachgefragt.

      

 

 

 

 

 

 

Herr Dankl, was sind f√ľr Sie, als Experte f√ľr Instandhaltung und Asset Management, die gr√∂√üten Potentiale der Digitalisierung in der Instandhaltung?

Andreas Dankl ¬©orhideal-image.comDie Instandhaltung steht heute vor vielen Herausforderungen: diese Themen sind nicht neu, versch√§rfen sich aber zusehends. Fachkr√§ftemangel, enorme Arbeitsbelastungen, zunehmende Anforderungen an die Qualifikation und Flexibilit√§t des Instandhaltungspersonals, st√§rkere Anlagenautomatisierung und vieles mehr.¬† Die Bedeutung von Anlagenverf√ľgbarkeit und -zuverl√§ssigkeit und die Notwendigkeit der Anlagensubstanzerhaltung sind hinreichend bekannt. Ziel der Instandhaltung muss also sein, bestehende Prozesse, Strukturen und eingesetzte Methoden, Techniken und Tools kritisch zu hinterfragen und ggf. anzupassen.

Digitalisierung / Industrie 4.0 und damit verbundene neue L√∂sungen stellen eine M√∂glichkeit dar, die Anforderungen besser zu erf√ľllen. Basis f√ľr die Einf√ľhrung digitaler L√∂sungen in der Instandhaltung ist aber immer eine kritische Sicht auf die am Markt angebotenen L√∂sungen und deren Anwendbarkeit in der eigenen Instandhaltungs-Organisation. Dementsprechend mein Apell: Nehmen Sie sich Zeit f√ľr einen Blick auf Ihre aktuelle Situation in der Instandhaltung, zu vorhandenen St√§rken aber auch Verbesserungsm√∂glichkeiten; √ľberpr√ľfen Sie die Praxistauglichkeit und Wirtschaftlichkeit der angebotenen digitalen L√∂sungen und w√§hlen Sie selektiv die f√ľr Ihre Organisation passenden Anwendungen.

 

Herr Dankl, welche aktuellen Trends findet man im Bereich ‚Äědigitale Instandhaltung‚Äú?

Andreas Dankl ¬©orhideal-image.comIm Rahmen von mittlerweile 8 Jahren intensiver F&E-Aktivit√§ten und Marktbeobachtung zum Thema ‚ÄěIndustrie 4.0 / Digitalisierung in der Technik (Anmerkung: Technik ist Instandhaltung, Asset Management & Engineering)‚Äú haben wir 10 Themenschwerpunkte identifiziert; diese reichen von der digitalen Anlagenvernetzung, √ľber Datenverf√ľgbarkeit/-qualit√§t/-sicherheit, Management von (Echtzeit-)Daten und digitalisierte Prozesse bis zur Anwendung von Mobilger√§ten und Applikationen sowie daraus entstehende neue Arbeitsmodelle und nat√ľrlich dem Personal- und Wissensmanagement.

Diese Themenschwerpunkte lassen sich zu 2 elementaren Trends zusammenfassen: Einerseits der Verkn√ľpfung von z.B. Anlagen-, Produktions-, Prozess- und Instandhaltungsdaten, um effektivere (= wirksamere) Entscheidungen und Ma√ünahmen datenbasierend und z.T. vorausschauend vorzunehmen; das betrifft z.B. das Echtzeit-Monitoring von kritischen Anlagen/teilen und die Ableitung von vorrausschauenden Instandhaltungst√§tigkeiten (Predictive Maintenance). Oberstes Ziel ist hierbei, auf Basis von Echtzeitdaten √ľber Produktionsbedingungen und Anlagenzust√§nde fr√ľhzeitig mit geeigneten Instandhaltungsma√ünahmen m√∂glichen St√∂rungen und Anlagenausf√§llen entgegen zu wirken. Zu den datenbasierenden Entscheidungen geh√∂ren aber auch die effektivere Planung von Anlagenrevisionen oder die Wochenplanung durch eine bessere Abstimmung der Produktionsvorgaben mit den erforderlichen Instandhaltungst√§tigkeiten.

Der 2. Trend zielt auf die Effizienzsteigerung bei Prozessen, Aufgaben und dem Personaleinsatz ab. Hier geht es prim√§r darum, nicht wertsch√∂pfende Zeiten wie z.B. Wegzeiten, Fehlersuchzeiten, Suche nach Ersatzteilen oder Dokumenten, Abstimmungszeiten zw. Produktion und Instandhaltung oder die Zeiten f√ľr Dokumentationsaufgaben zu minimieren. Basis f√ľr diese Effizienzsteigerung sind geeignete Instandhaltungs- und Dokumenten-Management-Systeme mit entsprechender Funktionalit√§t, Benutzerfreundlichkeit und nutzbaren Datenbest√§nden; diese Aspekte sind nicht neu; aber in Verbindung mit eingesetzten Mobilger√§ten wie z.B. Smartphones, Tablets oder Datenbrillen, der Anwendung von Assistenzsystemen (z.B. Sprachapplikationen, Gestenerkennung) und Auto-ID-Techniken wie QR- und Barcode oder RFID lassen sich Instandhaltungs-Prozesse und -Aufgaben signifikant vereinfachen und zeitlich verk√ľrzen sowie sicherer und fehlerfreier gestalten. Es gilt, meist papiergebundene Prozessschritte medienbruchfrei abzubilden und mittels digitaler Tools zu ‚Äěautomatisieren‚Äú. Dabei darf aber niemals vergessen werden, dass organisatorische Regeln wie z.B. zur Priorit√§tsvergabe f√ľr St√∂rungsmeldungen oder vereinbarte Spielregeln zw. Produktion und Instandhaltung bei der Wochenplanung immer die Grundlage darstellen. Und nat√ľrlich ist die Usability der eingesetzten digitalen Tools von Bedeutung; denn nur einfach und intuitive zu bedienende Anwendungen genie√üen die Akzeptanz der Anwender und entscheiden so letztlich √ľber den Erfolg.

 

Herr Jeske, sie unterst√ľtzen ihre Kunden bei der Digitalisierung von Prozessen. Was bedeutet f√ľr Sie Smart Maintenance? Wo stehen die Unternehmen aktuell?

membrain gmbh, praxistag smart maintenance, interviewWir sehen, dass eine wesentliche Grundvoraussetzung f√ľr Digitalisierungsprojekte im industriellen Umfeld Vorhandensein von technischen Standards und Normen ist. Nur so kann eine √ľbergreifende Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Systemen erm√∂glicht werden. Weiterhin sind leistungsstarke Systeme notwendig, die Echtzeitanwendungen bef√§higen. Dar√ľber hinaus erhalten relevante Echtzeitdaten au√üerdem hohe Bedeutung. Aufgrund dieser Voraussetzungen haben sich die Anwendungsbereiche unterschiedlich weit in Unternehmen etabliert. Der Bereich Smart Maintenance ‚Äď also die mobile und systemgest√ľtzte Wartung ‚Äď verf√ľgt √ľber einen hohen Grad an Standards sowie klar definierte Prozesse. Aus diesem Grund lassen sich herk√∂mmliche papierbasierte manuelle Prozesse sehr einfach durch eine mobile L√∂sung (App) abl√∂sen, die bereits in vielen Unternehmen im Einsatz sind. Instandhaltungsauftr√§ge werden in diesen Unternehmen direkt von mobilen Ger√§ten der Instandhalter bearbeite und verwaltet. Das erspart unn√∂tige sowie lange Wege und der Gang ins Instandhaltungsb√ľro wird √ľberfl√ľssig, da die gesamte Kommunikation (R√ľckmeldung/neue Auftr√§ge/Ersatzteile) direkt in der App abgewickelt werden. Auch eine schlechte Erreichbarkeit der Mitarbeiter, die Komplexit√§t der Auftragszuteilungen sowie der enorme Verwaltungsaufwand lassen sich so deutlich optimieren. Im Ergebnis werden so menschliche Fehler vermieden und eine 100% Transaktionssicherheit gew√§hrleisten.

 

Herr Dankl, ist ‚ÄöPredictive Maintenance‚Äė die L√∂sung aller Probleme?

Andreas Dankl ¬©orhideal-image.comDas aktuelle Problem bei Predictive Maintenance ist, dass dieser Ansatz meist mit falschen Botschaften verkauft wird; den F√ľhrungskr√§ften auf Management-Ebene wird suggeriert, dass durch Anwendung geeigneter Prognose- und Simulations-Tools im Betrieb gro√üe Kostenpotenziale gehoben werden k√∂nnen. Was dabei i.d.R. nicht angesprochen wird, dass zur Vorhersage von wahrscheinlichen Ausf√§llen / St√∂rungen entsprechende Berechnungsmodelle zu den Anlagenteilen mit Verschlie√üalgorithmen und Wirkungsketten der relevanten Einflussparameter erarbeitet werden m√ľssen; diese Modelle erfordern neben Datenanalytikern die Einbindung von Mitarbeitern mit den spezifischen Prozess- und Anlagenkenntnissen, sowie idealerweise die Verf√ľgbarkeit von Historiedaten aus vergangenen Ausf√§llen und St√∂rungen mit den zugeh√∂rigen Schadenscodes. Ein Prognose- und Simulations-Tool ist also nur einer von vielen Bausteinen auf dem Weg in Richtung ‚ÄěPredictive Maintenance‚Äú. Unsere Erfahrungen zeigen, dass dieser predictive Ansatz oftmals in Betrieben mit ‚Äěfalscher‚Äú Priorit√§t behandelt wird; denn erst wenn die M√∂glichkeiten der vorausschauenden und zustandsorientierten Instandhaltungsstrategien ausgesch√∂pft sind, ist mit dem Fokus auf kritische Anlagen die Anwendung von Predictive Maintenance wirtschaftlich sinnvoll. So besagt z.B. die Studie ‚ÄěDEUTSCHER INDUSTRIE 4.0 INDEX‚Äú aus dem Jahr 2017, dass ca. 75% der Befragten das Leistungsverm√∂gen der aktuell am Markt verf√ľgbaren Predictive-Maintenance-L√∂sungen mit gering und ausbauf√§hig erachten.

 

Herr Jeske, Sie als Digitalisierungs-Fan, wie kann Digitalisierung die Instandhaltung ganz konkret unterst√ľtzen?

membrain gmbh, praxistag smart maintenance, interviewDigitalisierung hilft dabei, den gro√üen Anteil von sich st√§ndig wiederholenden manuellen Aufgaben mit Hilfe von Technologien zu automatisieren und auf ein Minimum zu reduzieren. Die dabei freigewordenen Ressourcen k√∂nnen dann wiederum f√ľr anspruchsvolle Aufgaben mit entsprechend h√∂herer Wertsch√∂pfung gewinnbringend eingesetzt werden. Die Datenerfassungsarchitektur soll Prozesse vereinfachen, h√∂chste Transaktionssicherheit gew√§hrleiten, Mitarbeitereffizienz steigern und menschliche Fehler vermeiden. Wichtig dabei ist allerdings, dass die Digitalisierungsstrategie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Denn Insell√∂sungen mit Medienbr√ľchen eliminieren keine menschlichen Fehler und schaffen somit nur punktuelle Effizienzsteigerung aber keine durchgehende Digitalisierung. Digitalisierung ist bei Instandhaltungsprozessen Pflicht und keine K√ľr. Ein integrierter Softwareansatz ist f√ľr mobile Apps dabei entscheidend, denn nur eine integrierte L√∂sung auf Basis einer modularen Softwarearchitektur erm√∂glicht eine l√ľckenlose R√ľckverfolgbarkeit sowie hundertprozentige Transaktionssicherheit ins f√ľhrende System. Echtzeitf√§higkeit gew√§hrleistet dabei, immer den tats√§chlichen Stand verf√ľgbar zu machen.

 

Herr Dankl, als Gesch√§ftsf√ľhrer des Netzwerk f√ľr Instandhaltung, der MFA, veranstalten Sie dieses Jahr erstmals den Praxistag: Smart Maintenance gemeinsam mit einigen Partnern. Was erwartet die Teilnehmer?

Andreas Dankl ©orhideal-image.com

Eines ist f√ľr uns klar: Die Optimierung der Produktion braucht eine intelligente Instandhaltung. Smart Maintenance hilft die Verf√ľgbarkeit von Maschinen, Anlagen und Prozessen zu sichern und zu optimieren. Beim Praxistag: Smart Maintenance erwarten die Teilnehmer Experten aus der Praxis mit konkreten Anwendungsbeispielen. Neue Technologien schaffen keine Wunder, aber sie helfen, bestehende Team effizienter einzusetzen, punktgenauer zu qualifizieren und Prozesssicherheit zu gew√§hrleisten. Wie das aussehen kann, diskutieren wir am 09. Juli mit den Teilnehmern.

Wir freuen uns besonders, √ľber die prominente Sch√ľtzenhilfe der Fachzeitschrift Instandhaltung. Stefan Weinzierl (Redakteur Instandhaltung) wird die Podiumsdiskussion zum Thema Digitalisierung und Instandhaltung leiten. Seien Sie gespannt!

 

Zur Veranstaltung:

Der Praxistag: Smart Maintenance findet am 09. Juli 2019 in der Flugwerft Schlei√üheim (N√§he M√ľnchen) statt. Er richtet sich an das Management und Betriebsleiter, Instandhaltungs- und Serviceleiter sowie Produktions-, Technik- und IT-Verantwortliche aus produzierenden Unternehmen. Der Event wird von den drei Branchenverb√§nden MFA, FVI und WVIS unterst√ľtzt.

Die Teilnahme ist kostenlos; Anmeldung erforderlich.

Infos & Anmeldung: www.mfa-netzwerk.at/veranstaltungen/praxistag-smart-maintenance/

Portrait Andreas Dankl: © Orhideal
Portrait Christian Jeske: © Membrain
Banner-Foto: © Fotolia

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